• Anke Kaminsky

Nicht 'Nur ein Hund'


Es ist jetzt genau ein Jahr her, seit wir unseren Familienhund Milo gehen lassen mussten. Ich adoptierte ihn, als er fast drei Jahre alt war. Ein Bordercollie-Aussie-Mix. In der Zeit wo er zu uns kam, hatte ich nicht sonderlich viel Sinn im Leben. Ich bin zur Arbeit gegangen und war danach so erschöpft, dass ich den Rest des Tages geschlafen habe oder auf dem Sofa hing. Auch wenn es oft anstrengend war, gab Milo mir eine Aufgabe. Ich hatte Schuldgefühle, weil ich zu wenig Energie hatte, um mich um seine Verhaltensauffälligkeiten zu kümmern oder mehr Abenteuer mit ihm zu bestreiten. Mir fehlte die Geduld mit ihm, wenn er andere Hunde anbellte und einfach nichts zu helfen schien. Wenn ich weg war und ihn nicht mitnahm, hatte ich immer das Gefühl ihn im Stich zu lassen. Als ich auszog und ihn bei meinen Eltern ließ, tat es nach jedem Besuch weh, ihn wieder zurückzulassen, obwohl ich wusste, dass ein Leben in der Stadt für ihn zu stressig wäre. Auch nach seinem Tod kamen diese Gedanken wieder und wieder. Hätte ich was anders machen sollen? Warum hatte ich nicht mehr Geduld mit ihm? Wieso habe ich nicht mehr Zeit mit ihm verbracht?



Nach der Bearbeitung mit meinem Therapeuten, kann ich definitiv sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt mein Bestes gegeben habe, um Milo ein gutes Leben zu bieten. Es war garantiert nicht alles perfekt, aber er war seit dem ersten Tag der Mittelpunkt in unserer Familie. Wir haben ihn alle geliebt. Er hat unsere Kommunikation verbessert. Anstatt aneinander vorbei zu leben, gab es eine Konstante, über die wir uns austauschen konnten. Ich hab mich gefreut nach Hause zu kommen, weil ich wusste das Milo sich freut. Als ich eine Lungenentzündung hatte, war er die ganze Zeit bei mir und hat über mich gewacht. Auch abseits davon war er ein Anker und ein Grund aufzustehen. Für meine psychische Gesundheit, war er ein absoluter Gewinn und brachte Sinn in meine Existenz. Ein pelziger Grund um nicht aufzugeben.


Ich hatte immer Angst vor dem Moment, wo ich Abschied nehmen muss. Wenn ich an Milo denke, kommen mir noch immer die Tränen. Ich habe die letzten Minuten mit ihm vor Augen. Wie sein Kopf auf meiner Hand lag und er mich ansah. Ich bin mir sicher, dass er es wusste. Er wusste wie nah er seinen letzten Atemzügen war. Bei Erinnerungen an ihn, kommen diese Bilder hoch und hinterlassen tiefe Trauer.



Milo. Ich hoffe, dass ich irgendwann an dich zurückdenke und die Freude überwiegt, weil ich 11 Jahre mit dir verbringen durfte. Du bist ein guter Junge und ich vermisse dich jeden Tag. Ich werde dich immer lieben und hoffe wir sehen uns irgendwann wieder.


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